Gezielt auf Heilbutt

Vor einem Jahr wurde ich von der Fisch&Fang Redaktion nach Vingvagen geschickt, um zusammen mit Sebastian Hänel und Andreas Veltrup eine Revier Reportage über das Angelgebiet Trondheimslaja auf Film zu bannen.

Unser Ziel damals war die gezielte Jagd auf den König der Nordmeere, den Heilbutt. Den Artikel und Filmbeitrag zur Tour 2014 findet ihr auf meiner Homepage www.stefan-seuss.de

Bereits bei der ersten Tour im Jahre 2014 haben die Eindrücke und Erlebnisse mich völlig aus der Bahn geworfen und mir war schnell bewusst, dass ich zurückkehren werde, denn der Heilbutt hatte mich in seinen Bann gezogen. In Zusammenarbeit mit Andrees Angelreisen und Andreas Veltrup plante ich dann für das Jahr 2015 eine erste offizielle Heilbutt Guiding Tour. Unser Ziel war es mit modernen Methoden, aktives Wurfangeln gepaart mit passivem Naturköderangeln, gezielt dem Heilbutt nachzustellen.

Der Heilbutt

Der Heilbutt, auch Weißer Heilbutt genannt, kommt hauptsächlich im Nordatlantik vor und zählt zur Gattung der Schollen. Der Heilbutt gilt als König des Atlantiks und kann Längen von über 300cm erreichen und dabei Gewichte von weit über 200 Kilo auf die Waage bringen. Der Heilbutt ist ein Raubfisch der sich hauptsächlich von Krebsen und Fischen ernährt. Er lauert am Grund, jagd aber seine Beute oftmals im Freiwasser bis hoch zur Oberfläche.

Unter Anglern gilt der platte Räuber als mystischer Fisch der bis heute noch weitgehend unerforscht ist. Unheimliche Kampfstärke, blitzschnelle Fluchten und ein majestätisches Dahingleiten in seinem Revier, zeichnen den Heilbutt aus. Er ist der King, hat vor nichts Angst und stellt dies immer wieder unter Beweis, indem er aus der Tiefe bis hoch zur Oberfläche unseren Ködern folgt und plötzlich direkt neben dem Boot auftaucht. Teilweise erlebten unsere Gäste Heilbutt Kino vom Feinsten, die urigen Räuber folgten dem Köder bis hin zum Boot und brachten uns Adrenalin Schübe erster Sahne.

Das Revier

Die Trondheimslaja ist die Meerenge zwischen der Insel Hitra und dem Festland. Eine permanente Strömung transportiert im Rhythmus der Gezeiten Unmengen an Beutefischen (Heringe, Sandaale und Kleinstlebewesen) mit sich. Die Slaja bietet Tiefen von über 360m und gilt als windgeschütztes Revier durch zahlreiche vorgelagerte Inseln und kleine Fjorde, die auch dann noch ein Angeln ermöglichen, wenn an den Außenseiten der Sturm wütet.

Die regelmäßig die Meerenge durchziehenden Kleinfischschwärme, ziehen natürlich eine Menge an Raubfischen in das Revier. Große Dorsche und Köhler sind an der Tagesordnung. Unser Zielfisch aber ist der Heilbutt und in dem Revier der Trondheimslaja findet der urige Plattfisch perfekte Jagd und Laichgebiete. Tiefes Wasser trifft auf riesige Flachwassergebiete und genau dort zieht es den Heilbutt auf der Jagd nach Beute im Frühjahr hin.

Langsam ansteigende Sandbänke mit Krautbewuchs in Wassertiefen von 5-40m sind jetzt das bevorzugte Jagdrevier des Mega Plattfisches. Hier schlägt er sich den Bauch voll um dann zur Sommerzeit in die Tiefe abzutauchen und zu laichen. Die flachen Gebiete ermöglichen uns Anglern ein großes Spektrum an fischereilichen Möglichkeiten.

Die Technik

Bei der Heilbutt Special Tour angeln wird mit 3-4 Anglern von 22 Fuß Aluminium Booten ausgestattet mit 115 PS Motoren. Mit diesen Booten sind wir schnell und sicher auf dem Atlantik unterwegs und können auch von hohen Wellen gepeitschte Wasserbereiche sicher überqueren um an unsere Angelstellen zu kommen. Auf jedem Boot ist ein hochmodernes Echolot mit Kartendaten des Reviers fest installiert.

Viele Angler vermuten unter dem Stichwort Meeresangeln in Norwegen ein stumpfsinniges herablassen und wieder heraufkurbeln von schweren Blei Pilkern. Das gezielte Heilbutt Angeln ist aber viel filigraner und gleicht eher dem schweren Hechtfischen oder dem leichten Welsangeln.

Jeder Angler hat auf dem Boot eine Spinnrute für das aktive Wurfangeln am Start und es werden 2-3 tote Ruten mit Naturködern am Hakensystem in der Nachdrift des Bootes im Mittelwasser angeboten. Die Köderfische für das Naturköderangeln fangen wir täglich in Steg Nähe mit Paternostermontagen.

Aktiv auf Butt Werfen bis die Arme schmerzen, so lautet die Devise beim Spinnfischen auf Heilbutt. Eine Zwischenrechnung der vergangenen Tour ergab einen Durchschnitt von circa 600 Würfen pro Tag, pro Angler. Ich hatte also bei 12 Angeltagen über 7200 Würfe in den Rückenmuskeln stecken.

Für das Spinnfischen auf Heilbutt eignen sich Ruten mit einer Länge von 260cm-280cm und einem Wurfgewicht von circa 100-140gr. Als Rolle setze ich auf stabile und salzwasserfeste Modelle in der 4000er Größe gefüllt mit einer 0,18mm-0,20mm geflochtenen Schnur. Mein persönlicher Combo besteht aus einer Quantum Smoke Spin Rute mit einer Länge von 270cm und einem Wurfgewicht von 105Gramm. Als Rolle verwende ich eine Fin Nor Inshore 4000.

Gummifische kommen in den Größen von 10 cm- 28 cm zum Einsatz, bei der aktuellen Tour wurden 3 Heilbutt auf relativ kleine Shads der Größe 10cm gefangen. Je kleiner der Shad aber, desto größer die Bissfrequenz von Dorsch und Co. Um selektiv auf Heilbutt zu werfen, versuchen wir daher Gummifische von mindestens 16cm Länge einzusetzen. Aber auch bei dieser Ködergröße bleiben Dorsch- und Köhlerfänge nicht aus.

Ein Vorfach beim Heilbutt Angeln ist sehr wichtig, denn der Heilbutt hat scharfe Zähne und würde beim Inhalieren des Kunstköders die Hauptschnur schnell beschädigen. Als Vorfach kommt eine 1mm starke Mono mit 80cm Länge zum Einsatz. Der Gummifisch wird dann über Sicherheitskarabiner oder im besten Fall Sprengringe mit dem Vorfach verbunden.

Die Shads werden mit Bleikopfgewichten zwischen 50-100 Gramm, je nach Strömung, Tiefe und Drift ausgestattet. Als Stinger kommen Einzelhaken zum Einsatz die im hinteren Drittel des Gummifisches an der Unterseite fixiert werden. Stinger sind Pflicht, da der Heilbutt in den meisten Fällen den Köder nach langer Verfolgung von hinten attackiert und einsaugt.

Je langsamer, desto fängiger

Der Heilbutt ist ein sehr geruhsamer Räuber. Hat er aber seine bevorzugte Beute fixiert folgt er ihr, teilweise sehr lange und auch oftmals vom Gewässergrund bis hoch zur Oberfläche, bis er sich zu einem Angriff entscheidet. Auf diese Beobachtung hin, müssen wir unsere Köderführung dem Verhalten des Räubers anpassen. Nach dem Auswurf wird der Köder bis zum Grund hin abgelassen und dann langsam, sehr langsam, zum Boot hin eingeholt. Kommt der Köder in den oberen, für uns Angler sichtbaren Wasserbereich, sollte man sehr aufmerksam das Wasser beobachten und den Köder vor dem erneuten Auswurf noch kurz im Wasser stehen lassen. Viele der von uns gefangenen Fische folgten dem Köder bis direkt vor das Boot, beäugten diesen dort und schnappten dann zu.

Bei der Wahl des Gummifisches brachten schlanke Formen mit einem Tellerschwanz, welcher starke Druckwellen hinterlässt, die besten Erfolge. Die Farbwahl ist Wetter- und Lichtabhängig. Ein Großteil der Fische wurde auf den Quantum Battle Shad in der Farbe Salt`n Pepper und in den Größen 15cm-20cm gefangen.

Passives Angeln (tote Rute)

Beim passiven Angeln werden Naturköder (Köhler, Dorsch, Hering) an einem Zweihakensystem und einem bananenförmigen Blei (Quantum Rainer Korn Blei 250-300Gr) in der Nachdrift des Bootes angeboten. Die Köderfische werden circa 2-5m über Grund angeboten und sollen faule Räuber, die nicht auf die Gummifische reagieren, vom Grund lösen. Hier kommen kurze Bootsruten mit einer Länge von 220cm -260cm und einem Wurfgewicht von circa 150-200Gr zum Einsatz. Es ist wichtig Ruten mit einer weichen Spitze einzusetzen, damit bei Wellengang der Köder nicht zu schlagen beginnt, sondern eher weiche Bewegungen ausführt. Ich persönlich setze hier die Black Cat Inliner Rute in Verbindung mit einer kleinen Multirolle mit Schiebebremse ein. Als Multirolle hat sich die Fin Nor Marquesa 20 bestens bewährt. Der Vorteil einer Multirolle liegt auf der Hand, sehr genau und kontrolliert kann man seinen Köder auf eine gewünschte Tiefe bringen, danach wird die Bremse relativ leicht eingestellt und bei einem Biss übertönt die Knarre die Geräuschkulisse auf dem Boot.

Angelzeit

Geangelt werden kann hier 24 Stunden pro Tag, es wird kaum dunkel. Wir versuchen den Tourzeitraum immer an die Vollmond Phase anzupassen, denn in diesem Zeitraum gibt es den größten Tidenhub und somit eine ausgedehnte aktive Phase der Meeresfische. Steigendes Wasser brachte genauso Bisse, wie schnell ablaufendes Wasser, man muss nur die richtige Platzwahl treffen und dort die Bereiche mit dem stärksten Wasseraustausch befischen.

Eine Herausforderung für jeden Angler

Gezieltes Heilbutt Angeln kann ich getrost als Hard Core bezeichnen. Es ist kein Zuckerschlecken bei Wind und Welle den Naturgewalten zu trotzen und dabei viele aktionslose Stunden zu überblicken um auf den Kontakt mit dem König hinzuarbeiten. Viele Angler geben bereits nach einigen Stunden auf, werfen die Flinte ins Korn um sich wieder der actionreichen Fischerei auf Dorsch und Co zu widmen. Wer einen Heilbutt fangen möchte muss durchhalten und bis zur letzten Minute des Angeltages extrem konzentriert sein. Schneidertage sind an der Tagesordnung und müssen akzeptiert werden, genauso wie Massenfänge gefeiert werden dürfen.

Gleich zu Anfang der Tour, am ersten Tag auf dem Atlantik, konnten gleich 4 Butts innerhalb weniger Stunden gelandet werden, solche Momente helfen einem dabei über harte Zeiten hinwegzusehen. Heilbutt Angeln zählt zu den größten und manchmal auch zähesten Herausforderungen, denen sich ein moderner Angler stellen kann, wenn man dann aber den King auf Armen hält, hat man alles richtig gemacht und kann stolz sein, den oftmals harten Weg bis hin zum Erfolg gemeistert zu haben. Bei den Heilbutt Special Touren mit Top Betreuung durch Andreas Veltrup (Spro) und Stefan Seuß (Zebco Europe GmbH), in Zusammenarbeit mit Andrees Angelreisen, bieten wir unseren Gästen den besten Service und eine Top Betreuung, sowie modernes Leihgerät.

Die Tour Teilnehmer können gemütlich mit dem Flugzeug nach Trondheim anreisen, von dort wird Stefan Seuß die Reisegruppe in Empfang nehmen und mit einem kleinen Reisebus ins Vingvagen Fishing Camp fahren. Direkt am Wasser liegen die gemütlichen Wohnungen, ausgestattet mit mehreren Schlafzimmern, großen Wohnzimmer und geräumiger Küche. In der ganzen Anlage gibt es freies Internet.

Die Tour Termine für 2016 stehen bereits jetzt fest und können gebucht werden. Pro Angeltour können 8 Angler teilnehmen. Platzreservierung und Tour Informationen bekommt ihr direkt bei mir.

Heilbutt Special Tour 1

12.05.2016-19.05.2016

Heilbutt Special Tour 2

19.05.2016-26.05.2016

Kontakt

Stefan Seuß

Mail: stefan-seuss@web.de

Phone: 0049 151 126 22099

 

Wir sehen uns in Vingvagen, Liebe Grüsse Stefan Seuß

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